26/February/2017
Besuch Nr. 13 in Zürich, Josefstrasse 194



MITWIRKENDE:

René Perler, Bassbariton
Edward Rushton, Klavier



PROGRAMM:

Franz Schubert (1797-1828): Winterreise D 911

KONZERTBERICHT:

Die Szene schien wie im "Frühlingstraum", oder in "Täuschung": die freundliche Stube der Gastgeber mit Blick auf die grüne Josefswiese, bunte Blumen und Blüten stilvoll arrangiert, viele liebe Menschen drin, Freunde und Nachbarn, die sich zum ersten Mal im grünen Mehrfamilienhaus zu einem privaten Konzert versammelt hatten, reichlich zu Essen und zu Trinken, alles war durchleuchtet vom Licht des plötzlich eingebrochenen Frühlings vor den Fenstern, die Stühle bunt zusammengewürfelt, die Bar hinter dem Sänger verlockend, die Bücherregale, die Bilder an den Wänden, die Kleidung der Gäste, alles freundlich und hell. Allein das weisse Klavier erinnerte an unsere Aufgabe, die farblose Leere, die Schubert und Müllers Wanderer durchschreiten muss, in den Köpfen der ZuhörerInnen herbeizubeschwören.
Ich sass an diesem weissen Klavier und verbrachte fünf wundersame Viertelstunden mit der Stimme und der Persönlichkeit von René Perler - in Hochform! - zu meiner rechten Seite.
Vielen herzlichen Dank den GastgeberInnen - zwei befreundete Familien aus dem Haus - für die Gelegenheit, wieder mal in einem ganz anderen, aber passend intimen Raum, Schuberts späte, erbarmunglose Vision entfalten zu lassen.
Nun sitze ich hier und schreibe, draussen ist es wieder kalt, und die vielen Krähen umkreisen die kargen Bäume dieser Stadt.

ER, 1. März 2017