24/February/2017
Besuch Nr. 12 in Basel, Realpstrasse 77



MITWIRKENDE:

René Perler, Bassbariton
Edward Rushton, Klavier



PROGRAMM:

Franz Schubert (1797-1828): Winterreise D 911

KONZERTBERICHT:

Der Vorfrühling lag mit Haselpollen und wiedererstarkten Sonnenstrahlen schon in der Luft, doch die Temperaturen waren wieder gesunken, die höheren Lagen gar gepudert – meteorologisch das perfekte Setting für eine musikalische Reise durch Winter, Kälte und Schnee. Claudia und Philipp Egger-Perler öffneten die Türe zu ihrem warmen Haus und luden uns und 30 Freundinnen und Freunde in ihren wunderschönen Salon, den sie mit viel Liebe und Augenzwinkern vorbereitet hatten. Das Publikum konnte wählen zwischen Biedermeier-Ecke, Ledergeviert, Lounge, Sofa und Garten(stuhl)abteil. Auf die Kollekte am Schluss wartete eine Schachtel der „Grands Magasins du Printemps – Paris“ – auf dass auf jeden Winter ein raschelnder Frühling folge...

Edward machte das schöne alte schwarze Grotrian-Steinweg-Klavier zu seiner Zauberharfe und brachte dessen runden Ton wunderbar zum Klingen. Müllers Verse und Schuberts Melodien übten in diesem intimen Rahmen einen besonderen Bann aus. Bei der Verschnaufpause nach der Ersten Abtheilung konnten die anwesenden Kinder abhuschen in die Kinderbibliothek im ersten Stock. Das jüngste jedoch, ein siebenjähriges Mädchen, blieb, zitterte bei den intensivsten Stellen, und sog die Lieder durch ihre grossen braunen Augen in sich hinein.

Nachdem der letzte Bordun des Leiermanns verklungen und Stille eingetreten war, lüfteten wir erst einmal Herz und Hirn durch. Danach klang der Abend aus mit guten Gesprächen, feinem ungarischen Wein aus hundert alten Crossair-Gläsern, liebevoll gefüllten Silserli und süssem Backwerk, wozu sogar die Mutter eines Konzertbesuchers ihr gehütetes Rezept hergegeben hatte. Es war ein herrlicher Abend mit Platz für Liebe, Leid und Freud.

 RP, 26. Februar 2017